Gestern haben wir es nun vollbracht. Wir haben das Kind dieTeenagerin aus der Realschule entlassen und das so richtig feierlich.
Es war alles wunderschön organisiert, geplant und ausgerichtet. Das hätte ich dieser Schule gar nicht zugetraut, war letztendlich auch nur dem Einsatz von Elternvertretern und Schülerinitiative zu verdanken. Respekt dafür!
Los ging es am Nachmittag in der Aula.
Ansprache des Rektors, superschöne musikalische Darbietungen verschiedener Schüler (das rockte die Bude) und dann die üblichen Reden. Die Schüler der drei zehnten Klassen haben einen tollen Job gemacht. Ihre Reden waren Spannungshaltend, munter, ironisch-lustig rückblickend, dem freudigen und aufregenden Anlass entsprechend.
Großes Kopfschüttel-/ Lästerpotential und somit Blogcontent die Rede der Klassenlehrerin meiner Tochter, welche stellvertretend für die Lehrerschaft sprach. Um es vorweg in einer Schulnote auszudrücken: Eine schwache 5.
Kommen wir zum Aufbau der Rede: Es gab eine deutlich erkennbare Redestruktur und dies ist auch der einzig positive Aspekt.
Inhalt: Wirtschaftskrise, unsichere Arbeitsmarktlage, zunehmende Unabhängigkeit der Jugendlichen bedeutet auch mehr Verantwortung, die wiegt schwer … und ähnlich spannende und vor allem positiv stimmende und motivierende Worte. Soweit so schlecht und vor allem einschläfernd.
Geweckt wurde ich dann durch den offenbar sehr wichtigen Punkt: Umgang mit den Technologien, sprich dem Computer und dem Internet. Hier musste der Gatte immer wieder beruhigend auf mich einreden und mir schlussletztendlich verbieten auf die Bühne zu fahren um die Frau an die Wand zu diskutieren.
Das ging GAR NICHT! Kurzfassung: Internet ist nicht schlecht, man hat viele Informationen in Sekundenschnelle, und dann auch kommunizieren… ABER VORSICHT: Kommunikation übers Internet macht einsam, Daten, z.B. Fotos können von jedermann eingesehen werden, in Chatrooms treiben sich sogar Menschen rum, die geben sich für Jugendliche aus, sind aber in Wirklichkeit Erwachsene, welche sich an die Mädchen heranmachen möchten – Jaha, das war ja für die Kids alles mal ganz was Neues.
Aus dem Zuschauerraum sah man in allen Sitzreihen reines Unverständnis – aber noch blieben alle sitzen.
Das änderte sich dann, als die Sprache auf Gewaltverherrlichende Computerspiele und -auch dieses Thema gehört ganz unbedingt auf eine Abschlussfeier- den jüngsten Amoklauf zu sprechen kam. Hier gingen dann die ersten Eltern und Schüler nach draußen und der Gatte verbot mir auf die Bühne zu fahren *schmoll*
Joah schläfrig wurden wir dann zum Abschluss und es nicht erzählenswert, was da noch alles an Schwachsinn kam – ehrlich gesagt, ich weiß es auch gar nicht mehr.
Die Veranstaltung in der Aula endete mit der obligatorischen Zeugnisausgabe und es war für mich ein wirklich fazinierender Anblick die ganzen erwachsen anmutenden Menschen dort auf der Bühne zu sehen. Vor gerade mal 5 Jahren haben wir Kinder dort eingeschult… Waaahnsinn, echt!
Nach der Zeugnisvergabe nahm ich mein Kind dieTeenagerin ganz dolle in den Arm und bedankte mich, dass sie all die Jahre mit dieser Klassenlehrerin so tapfer ausgehalten und trotzdem einen Abschluß geschafft hat. Dafür hat sie meinen vollen Respekt. Ich wusste, dass es schlimm ist, aber erst gestern wurde mir klar, WIE schlimm es tatsächlich war
So, das war der erste Teil. Ab ging es nach Hause zum Kaffeetrinken umziehen und stylen Ich durfte meine Tochte stylen – ihre Haare machen und das war sooooo schön, ich habe es sehrsehrsehr genossen. Ein ganz toller Mutter-Tochter Moment!
Dann zum Abschlussball in ein Restaurant mit Veranstaltungsraum.
Joah was hier abging war eigentlich unbeschreiblich. Unbeschreiblich schön!
Dass meine Tochter natürlich die schönste von all den gestylten Mädels war muß ich natürlich nicht erwähnen, das versteht sich von selbst?!
Aber mal ehrlich, ich fand das tatsächlich. Die meisten Mädels waren hübsch verpackte Schaufensterpuppen. Außen süß, innen hohl und einfach nur darauf aus so viel Sex-Appeal wie irgendmöglich zu versprühen. Ich finde es widerlich – so grundsätzlich, wie sie auf ihren High Heels spazieren stolzierten und eigentlich gar keinen Spaß hatten, da es darum ja auch nicht ging, sondern nur ums präsentieren des eigenen Ichs – Schönblöd, aber selbst schuld!
Die Clique rund um dieTeenagerin hingegen, die gefiel mir richtig gut. Die hatten einen irren Spaß, den ganzen Abend. Sie sprangen auf der Tanzfläche rum, sangen, feierten, grölten, waren einfach nur gut drauf und das Tollste: Sie waren dabei stocknüchtern und das weiß ich zu 150%.
Die Musik war sehr gemischt – auch für die ältere Generation (also uns
) war eine Menge dabei.
Etwas traurig war ich zunächst, dass ich nicht auf der Tanzfläche mitmischen konnte, das hätte ich wirklich gerne getan – aber ich habe mich dann an der Truppe erfreut und mir immer wieder gesagt, dass jetzt sie dran sind und ich es ja alles schon hatte und zwar sehr intensiv.
Sehr traurig wurde ich als der Gatte irgendwann auf die Tanzfläche verschwand, die Eltern von der Tocherfreundin ebenfalls und ich alleine übrig blieb.
Joah… das hielt aber nicht lange an. Erst traute ich mich nicht, dann war mir alles egal und ich bin mit Rolli auf die Tanzfläche.
Es war superklasse und ich habe mich geärgert, das nicht schon viel früher getan zu haben. Man kann mit Rolli tanzen, man kann mit Rolli abrocken und man bekommt ausschliesslich aufmunternde Blicke. Zunächst war ich unsicher ob die Teenagerin das vielleicht peinlich findet, dann hätte ich verzichtet. Nö, die Teenagerin hat sich kaputtgelacht und fotografiert. Es schien ihr nicht im geringsten peinlich zu sein.
Hach, das war schön aber nicht das Schönste des Abends.
Das Schönste und die Schönste war MEIN Kind MEINE Tochter so gelöst, glücklich innerhalb der ganzen tollen Truppe zu erleben.
… und wenn ich gestern keine Taschentücher brauchte, weil ich einfach nur die Momente genossen habe, so brauche ich sie heute, wenn ich diese Momente Revue passieren lassen.
Fazit1: Stolz schwellt der Mutter ihre Brust.
Fazit2: Sie wird ihren Weg gehen. Ich weiss das!